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Redewendungen zum Thema Tod

Hier steht's Schwarz auf Weiss

Redewendungen kennt jeder. Für Personen, die unsere Sprache als zweite oder dritte Fremdsprache erlernen erschließt sich die Bedeutung von Redewendungen nur schwer oder gar nicht. Für Muttersprachler prägen sich die Redewendungen als auch deren Bedeutung von Kindesbeinen an durch stetiges Wiederholen als Ganzes ein.

Wie entstehen Redewendungen?

Zahllose Redewendungen verdanken wir der Bibel. Einen großen Beitrag leistet hierbei die Übersetzung von Martin Luther. Aber auch Jäger oder Soldaten, als Stellvertreter für bestimmte soziale Kreise oder Berufsgruppen (durch die Lappen gehen oder am Riemen reißen ), tragen ihr Scherflein bei. Ebenso die mittelalterliche Rechtsprechung (Brief und Siegel geben) als auch Dichter und Schriftsteller (Shakespeare’s Morgenluft wittern oder Goethe’s roter Faden).

Redensarten, welche mit dem Tod in Verbindung gebracht werden

Die angefügte Auflistung dokumentiert einige Redewendungen, welche den Tod als Grundlage haben, erhebt jedoch keine Anspruch auf Vollständigkeit.

Verschiedene Redewendungen "Schwarz auf Weiss"
Verschiedene Redewendungen „Schwarz auf Weiss“

vor die Hunde gehen

umgangssprachlich; bei der Jagd fällt krankes und schwaches Wild eher den Jagdhunden als dem Jäger zum Opfer. Ein solcher Tod ist also besonders schmerzlich und gewaltsam. Die Wendung ist seit dem 17. Jahrhundert belegt.

abkratzen

umgangssprachlich, salopp bis derb; das im 19. Jahrhundert entstandene Wort ist eine ironisierende Kurzform von „sich mit einem Kratzfuß verabschieden“ (Kratzfuß = respektvolle Verbeugung, bei der man seinen Fuß scharrend nach hinten zieht).

über den Jordan gehen

umgangssprachlich, salopp; die alten Israeliten sind aus der Wüste über den Jordan (Fluss in Vorderasien) in das Gelobte Land eingezogen. Die christliche Literatur hat diesen Übergang später symbolisch gedeutet – als Eintritt in das Himmelreich. Dieses Himmelreich ist ein altes Bild für das Leben nach dem Tod, das sich die Christen erhoffen. Und der Weg dahin führt – jedenfalls symbolisch gesehen – über den Jordan.

Ein weiterer Hinweis stammt ebenfalls aus der Bibel: In der 1. Mose 50 wird der tote Jakob Israel über den Jordan nach Goren-Atad gebracht. Jenseits des Jordans wird eine große Totenklage abgehalten.

Eine weitere biblische Quelle ist im 2. Buch der Könige im 2. Kapitel zu finden, wo der Prophet Elia gemeinsam mit seinem Nachfolger Elisa zunächst an und dann über den Jordan geht, um zu sterben. Elisa kehrt ohne Elia zurück, aber mit seinem Mantel.

ins Gras beißen

umgangssprachlich, salopp; es gibt verschiedene Deutungen der Redewendung. Eine davon bezieht sich auf antike Vorbilder (Homers „Ilias“ 2,418/11,749; Vergils „Aeneis“ 11,418), wo das Sterben des Helden im Kampf naturalistisch als Sturz und „in den Staub beißen“ geschildert wird.

Diese Vorbilder haben im romanischen Raum zu Redensarten geführt (franz.: „mordre la poussière“; ital.: „mordere la terra“), die möglicherweise ins Deutsche übernommen wurden (belegt seit 1546).

Eine andere Deutung sieht Bezüge zur so genannten „Notkommunion“, bei der im Mittelalter einem Sterbenden anstelle der Hostie notfalls auch etwas Gras oder Erde in den Mund gesteckt werden konnte. Letztere Deutung könnte den Bildwechsel von (antik/romanisch) „Staub“, „Erde“ zu (deutsch) „Gras“ erklären.

über die Wupper gehen

In Wuppertal (Stadt an der Wupper) lag einst der Friedhof am anderen Flussufer, daher diese Redewendung.

Die Wendung wurde nach 1945 in Zusammenhang zu einem KZ verbreitet (in Kemna/Wuppertal befindet sich ein ehemaliges KZ).

Im östlichen Wuppertal bildete einst die Wupper die Grenze zwischen der Grafschaft Mark und dem Herzogtum Berg. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgten in der Mark gewaltsame Soldatenwerbungen, denen sich junge Männer entzogen, in dem sie „über die Wupper gingen“ und ins Bergische flohen.

Das Gericht in Wuppertal liegt auf einer Insel in der Wupper. Wenn man einen Konkurs anmelden muss, muss man also zwangsläufig „über die Wupper gehen“.

Die Lage von Wuppertal bringt es mit sich, dass das rechte Wupperufer viel südliche Sonne abbekommt, während das linke Wupperufer aufgrund der Tallage länger im Dunkeln bleibt. Deshalb befanden sich auch die Häuser der Unternehmer auf den Höhen am rechten Wupperufer, während die Arbeitersiedlungen auf der weniger bevorzugten und damit billigeren linken Uferseite lagen. Ging nun ein Fabrikant pleite, dann musste er sein schönes Anwesen auf der rechten Uferseite verkaufen und sich mit einer Wohnung auf dem billigeren linken Ufer begnügen. Er musste also „über die Wupper gehen“.

In Wuppertal gab es ein Gefängnis, dessen Todestrakt, nur über eine Brücke erreichbar, auf der anderen Seite der Wupper lag. Wurde ein Verurteilter zur Hinrichtung geführt, musste er zuerst „über die Wupper gehen“.

den Löffel abgeben

In früherer Zeit trug die Hausherrin die Suppenkelle als Statussymbol am Gürtel. Nach ihrem Tod wurde sie an ihre Nachfolgerin weitergegeben.

Im Schwarzwald gab es unter Bauern früher eine Tradition, nach der jeder seinen eigenen Löffel zum Essen hatte, den nur er benutzte. Wenn er starb, wurde der Löffel nicht weitergegeben, sondern an die Wand des Bauernhauses gehängt.

Der Spruch geht zurück auf den Zisterzienserorden. Die Mönche trugen ihr Besteck (hier: den Löffel) an der Kordel ihrer Kutte bei sich. Wenn der Mönch verstarb, wurde ihm der Löffel abgenommen.

Soll in früherer Zeit für den Knecht gegolten haben. Wenn dieser weiterzog oder verstarb, musste er den Löffel abgeben, damit ihn der nächste bekommen konnte.

In der bäuerlichen Gemeinschaft des Mittelalters erhielt vom Kleinkindalter an jedermann einen eigenen Holzlöffel, den er bis zu seinem Lebensende stets bei sich trug – i. d. R. an einem Band um den Hals. Wenn also jemand seinen Löffel abgegeben hatte, war er verstorben, da er der Nahrungsaufnahme und des dazu erforderlichen Löffels nicht mehr bedurfte.

ein Kind des Todes sein

gehoben; der Ausdruck „Kind des Todes“ hat seinen Ursprung in der Bibel und geht auf 1. Sam. 26, 16, 2 zurück: „So wahr der Herr lebt, ihr seid Kinder des Todes, dass ihr euren Herrn (…) nicht behütet habt.“ Gerade im Mittelalter war die allegorische Personifizierung des Todes sehr beliebt. Dies erklärt die Verbreitung dieser Redewendung.

Sie steht auch in Einklang mit der allegorischen Darstellung der Frau Glück, welche die Mutter des Glückskindes ist. Neben heute üblich gewordenen Wendungen wie „Kind des Hasses / des Neides“ und so weiter findet man noch häufiger den Ausdruck „Sonntagskind“ mit der Bedeutung: an einem Sonntag geboren sein, begabt und beliebt sein, Glück im Leben haben.

(für) etwas mit dem Leben bezahlen

Die Redensart, die das Leben als Ware (mit dem höchsten Wert) ansieht (z. B. auch in „das Leben kosten“), ist mindestens seit dem 16. Jahrhundert belegt.

das Zeitliche segnen

Das Zeitliche und die Zeitlichkeit sind alte Begriffe für die vergängliche (den Zeitläufen unterworfene) Welt. Von ihr nimmt der Sterbende Abschied, indem er Gottes Segen für sich herbeiwünscht. Der letzte Wunsch eines Sterbenden wird für besonders wirkungsvoll gehalten und so ist der Segen das Letzte, was er für die Welt und seine Hinterbliebenen tun kann.

Einige der dafür früher üblichen Segenssprüche sind erhalten. Einer davon (aus dem frühen 17. Jahrhundert) lautet wie folgt: „Nun sieht mich kein Mensch nimmermehr, Gott gesegn euch alle, wo ihr seyt! Gott gesegn mir alle Wollustbarkeit! Gott gesegn mein Herren und Gemahl! Gott gesegn euch, Berg und tiefe Tal!“

in den letzten Zügen liegen

Zug meint hier Atemzug; die ältere Form der Redensart lautete „in Zügen liegen“, wobei das Antreten der letzten Reise – das Hinwegziehen ins Jenseits – gemeint war. Bereits Luther ergänzt jedoch die Redensart mit „letzten“, um eine nähere Beziehung zur letzten Reise zu schaffen. Offenbar war bereits seinen Zeitgenossen die alte Grundbedeutung undurchsichtig geworden, so dass die „letzten Züge“ als die letzten Atemzüge des Sterbenden gedeutet werden konnten.

den Kopf unter dem Arm tragen

selten; der abgeschlagene Kopf gilt schon seit jeher als Sinnbild des sicheren Todes. In der Sage tragen häufig Gespenster ihren eigenen Kopf unter dem Arm. Es gibt auch Märtyrerdarstellungen und Heiligenbilder dieser Art, die auf das Weiterleben nach dem körperlichen Tod verweisen.

die Radieschen von unten betrachten

umgangssprachlich, salopp; das von lat. radix (Wurzel) abgeleitete Wort „Radieschen“ ist mit der Pflanze nach dem 16. Jahrhundert aus Nordfrankreich nach Deutschland gekommen, wo es noch lange als Fremdwort empfunden wurde. Die Redensart ist erst jüngeren Datums.

Ein Euphemismus, der im Ersten Weltkrieg unter Soldaten aufkam und so viel bedeutete wie „im Graben liegen, tot und begraben sein“. Um den Schrecken von Tod, Sterben und engen Schützengräben zumindest sprachlich etwas zu mindern, versuchten die Menschen geeignete Umschreibungen zu finden.

Auch bei den deutschen Kriegsgegnern finden sich ähnliche Redewendungen wieder. In Frankreich etwa sagt man „Allez manger des pissenlits par la racine“, was so viel bedeutet wie „Die Radieschen von der Wurzel her essen“, in England heißt es „to push up the daisies“ – übersetzt: „die Gänseblümchen hochdrücken“. (Quelle: www.vorsorgeweitblick.de).

weder Tod noch Teufel fürchten

Bildlich wird häufig der Teufel als Begleiter des Todes gesehen, weil er den Augenblick der Trennung der Seele vom Körper abwartet (siehe auch „hinter etwas her sein wie der Teufel hinter der (armen) Seele“). Diese erwartete Loslösung der Seele findet ihren Niederschlag in vielen Bräuchen. Verbreitet ist beispielsweise die Vorstellung, dass unmittelbar nach Todeseintritt ein Fenster geöffnet werden muss, durch das die Seele fliegen kann.

jemanden / etwas (auf den Tod) nicht ausstehen können

umgangssprachlich; die Redensart bezieht sich auf das im Vergleich zum Sitzen oder Liegen mühsamere Stehen, das man nur kurze Zeit erträgt. Ursprünglich konkret auf das „Ausstehen“ langer Gottesdienste bezogen, seit Luther in übertragener Bedeutung nachgewiesen.

warten bis man schwarz wird

Die Pest wurde der „Schwarze Tod“ genannt. Und „warten, bis er schwarz wird“ ist eine Umschreibung des nicht schönen Färbens einer Leiche. Das heißt also eigentlich: „Da kannst du warten, bis du gestorben bist“ und geht zurück auf die gerade bei der Pest, beim „Schwarzen Tod“ so deutliche Leichenfärbung. (Quelle: www.swr.de/wissen).

Klappe zu, Affe tot

Die Redewendung stammt aus dem Zirkusgewerbe. Affen waren dort früher eine Hauptattraktion. Deswegen lockten viele Zirkusse Schaulustige in ihre Vorstellungen, indem sie am Kassenhäuschen ein kleines Äffchen zeigten, das in einer Holzkiste saß. War die Klappe geschlossen, war der Affe verstorben. (Quelle: www.stern.de/neon).


Alle Redewendungen ohne Quellenangabe wurden der Seite www.redensarten-index.de entnommen.

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